{|}


Anläßlich des hundertsten Geburtstages von Ernst Krenek im Jahr 2000 - vor lauter Bach-Gedenkfeierlichkeiten übersah man ihn fast - stellte der Pianist Marc Reichow ein faszinierendes Programm abseits der sieben Sonaten zusammen. Es verdeutlicht eindrucksvoll, daß Krenek sich unmöglich auf einen Personalstil festlegen läßt, sondern im Laufe seines Lebens gleichsam allen Stilen seines Jahrhunderts mit blitzendem Intellekt antwortete. Die acht ausgewählten Stücke lassen die Konturen eines immensen Werkes erahnen, das ein unstillbarer Experimentierdrang hervorgebracht hat, wie der Pianist selbst in seinem Beihefttext schreibt, der ebenso profund wirkt wie sein Spiel präzise.

Besonders dankenswert ist die Ersteinspielung des Klavierstückes in 11 Teilen op. 197, das den Interpreten mit radikal neuen Notationsformen und asynchron übereinanderzuschichtenden Zeitschienen konfrontiert. Ein eindrucksvolles Kaleidoskop für mutige Hörer, die sich vor atonalen und polymetrischen Experimenten, Schlägen auf Tastaturdeckel oder Glissandi in den Saiten nicht fürchten.



{|} : Peter Schlüer - Klassik-Heute, 01/06/01

zurück hier oder mit <-